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„Keiner hat das Recht, einen anderen Menschen zu beleidigen. Keiner!“

DFB-Integrationsbotschafter Jimmy Hartwig bei der offenen Fragerunde mit Nachwuchsspielern der Viktoria im Kölner Kino Cinenova. (Foto: Besnik Abazaj/Viktoria Köln)

23.11.2022

„Ich bin niemandem gram, ich schaue nur nach vorne, nie zurück. Aber wenn ich solche Filme sehe, dann fängt es ganz tief in meiner Seele an zu vibrieren. Ich bin sowieso sehr nah am Wasser gebaut, das nimmt mich alles sehr, sehr mit. Es kann auch sein, dass ich gleich wieder anfange zu weinen, weil ich in meinem Kopf wieder Filme sehe.“

Es war ein emotionaler Abend im Cinenova: Der „schwarzer Adler“ Jimmy Hartwig (68), die A- und B-Junioren von Viktoria Köln und Spieler:innen sowie Vertreter weiterer Vereine aus der Region gemeinsam im Kino – im Rahmen des vom BMI geförderten DFB-Projektes „Fußball verein(t) gegen Rassismus“, bei dem die Viktoria einer von vier Pilotstandorten ist, fand ein Bildungsabend des NLZ in Köln-Ehrenfeld statt. Gezeigt wurde der Film „Schwarze Adler“, mit Hartwig war einer der Protagonisten zur offenen Gesprächsrunde vor Ort.

In dem 2021 erschienenen Dokumentarfilm geht es um die Geschichte schwarzer deutscher Nationalspieler:innen. Von Erwin Kostedde (76) über Hartwig und Steffi Jones (49) bis hin zu Gerald Asamoah (44), Patrick Owomoyela (43) oder Jordan Torunarigha (25) berichten zahlreiche Vussballer:innen von ihren Erfahrungen mit Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund ihrer Hautfarbe. Der Film des deutschen Regisseurs Torsten Körner (57) und des Produzenten Leopold Hoesch (53) wurde unter anderem mit dem „Europäischen Medienpreis für Integration“ ausgezeichnet und beeindruckte nicht nur die Nachwuchsvussballer der Viktoria.

Als die Kölnerin Shary Reeves (53), die als Kind bei Borussia Kalk mit dem Kicken begann, im Film die Tränen nicht halten, geht es Hartwig im Kinosessel genauso. Nach dem Film erzählte der FairPlay- und Integrations-Botschafter des DFB in der offenen Gesprächsrunde mit den Nachwuchsvussballern des Viktoria-NLZ Hartwig von seinen Erlebnissen mit Rassismus, Diskriminierung durch Ausgrenzung in seiner Kindheit, Zeit als Vussballer und darüber hinaus.

Als Moderator Arno Schmitz ihn in einer Frage mit seinem Großvater konfrontiert, der nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg weiter an die kranken Ideologien Adolf Hitlers glaubte und das Kind eines farbigen Vaters nicht akzeptieren wollte, ringt Hartwig erneut um Fassung. Um ihn vorm Großvater zu schützen, habe seine Mutter ihn in einem anderen Haus zur Welt gebracht. Doch er habe von seinem „ersten Lebensjahr an bis zum sechsten, siebten Lebensjahr nur Schläge gekriegt. Nur Schläge. Diese Schläge vergesse ich nicht, deswegen hasse ich jeden, der schlägt. Kein Kind auf dieser Welt dürfte auch nur ansatzweise geschlagen werden.“

Doch aufgehört, gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen, hat der Ex-Profi, der mit dem HSV dreimal Deutscher wurde, 1983 den Europapokal der Landesmeister gewann und 1984 zum 1. FC Köln wechselte, bis heute nicht. „Wir sind eine Generation, die die Schnauze voll hat, ständig gesagt zu bekommen, dass wer aus Afrika kommt, dass wer aus der Türkei kommt—nein!“, sagt Hartwig: „Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Wir gehören alle zusammen. Wir sind Menschen. Keiner hat das Recht, einen anderen Menschen zu beleidigen. Keiner!“ Genau deshalb hat sich Viktoria Köln als Pilotstandort fürs Projekt beworben und den Zuschlag bekommen. Viktoria Köln ist bunt, weltoffen und multikulturell. Der Migrationsanteil im Verein liegt bei 70% und vereint in seinem Nachwuchsleistungszentrum, der Profimannschaft und dem Mitarbeiterstab Menschen aus 30 verschiedenen Nationen. Rassistisches und diskriminierendes Verhalten wird weder auf noch neben dem Platz toleriert, und der Verein positioniert sich klar gegen rechts.

Immer wieder appelliert der Ex-Profi und heutige Theaterschauspieler an die Kicker der U19, U17 und U16 der Viktoria: „Ihr seid die Zukunft, macht was draus. Sorgt dafür, dass ihr auch auf Augenhöhe begegnet, Haltet in eurem Herzen, dass unwichtig ist, wie jemand aussieht, es kommt nur auf den Charakter des Menschen an.“

So berichtete EXPRESS über den Bildungsabend der Viktoria

Und was kann jeder Einzelne tun, wenn er mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert wird oder einen Vorfall wahrnimmt? „Erstens: Nicht wegschauen!“, fordert Hartwig: „Dem Kollegen, der beleidigt wird, zur Seite stehen. Miteinander reden. Nicht dem Täter, der schreit, muss geholfen werden, Derjenige, der beleidigt wird, der richtig eine mitkriegt, der muss geschützt werden. Ich erwarte von jungen Spielern und von einer Mannschaft zu dem Kollegen hinzugehen und zu sagen: Du bist einer von uns, lass den Depp nur reden, was er will, aber du bist einer von uns.“

Abschließend bedankte sich Hartwig bei den jungen Zuschauer:innen fürs Kommen: „Ich hoffe, dass ein bisschen was hängen geblieben ist. Wenn ihr ein bisschen was davon mitnehmt, was die Menschen fühlen, sind wir auf dem richtigen Weg. Ich wünsche euch Gesundheit. Bleibt anständig. Gegen Rassismus – kämpft!“

Der Bildungsabend, organisiert von Viktoria Köln und dem Fußballverband Mittelrhein (FVM), fand im Rahmen des Projektes „Fußball verein(t) gegen Rassismus“ des DFB statt, bei dem die Viktoria neben dem 1. FC Saarbrücken, dem FSV Zwickau und Eintracht Braunschweig einer von vier Pilotstandorten ist. Bis nach der Europameisterschaft 2024 sollen im Rahmen des Projektes wirksame Netzwerke zur Bekämpfung von Rassismus im Vussball aufgebaut werden.

Begleitet von der DFB-Abteilung für Gesellschaftliche Verantwortung und Fanbelange sollen an den vier Standorten ab sofort noch intensivere Präventions- und Bildungsarbeit geleistet sowie ein qualifiziertes Beschwerdemanagement etabliert werden. Das vom Bundesministerium des Inneren (BMI) unterstützte Projekt verknüpft Strahlkraft und Knowhow der Profi-Vereine mit Strukturen und Expertise der DFB-Landesverbände, die den Amateurfußball in seiner ganzen Breite erreichen. Zudem sollen die bereits bestehenden und qualifizierten Anlaufstellen für Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle des Saarländischen Fußballverbandes, des Fußball-Verbandes Mittelrhein, des Sächsischen Fußball-Verbandes und des Niedersächsischen Fußballverbandes gestärkt, noch enger miteinander vernetzt und sichtbarer gemacht werden.

Viktoria – das V steht für Vussball! 

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