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Porträt Timmy Thiele: „Es gibt nur eines, was ich will“

Timmy Thiele greift seit dieser Saison für die Viktoria an (Foto: Jakob Settgast/Viktoria Köln)

08.01.2021

In unregelmäßigen Abständen stellen wir die Spieler von Viktoria Köln vor. Heute: Timmy Thiele.

Thieles Weg in den Profi-Fußball begann mit seinem Vater. „Mein Papa war mein Vorbild. Er war zu seiner Zeit Torwart gewesen und so stand ich anfangs auch zwischen den Pfosten“, erinnert sich der gebürtige Berliner heute an seine ersten Schritte mit dem runden Leder zurück. Da sein Vater bei Tennis Borussia Berlin Jugendtrainer war, schloss sich Thiele mit vier Jahren auch dem Verein an. Erst als während eines Turniers zu wenige Feldspieler auf dem Hallenparkett standen, wurde er aus dem Kasten geholt – und zog sich danach nie wieder Torwarthandschuhe an.

Über den TSV Rudow 1888 kam der damals Zehnjährige in der Folge zu Hertha BSC Berlin. Der Klub, der auf der anderen Seite der Hauptstadt lag, bildete den heranwachsenden Stürmer aus, bis er mit 16 Jahren zum SV Tasmania Gropiusstadt 73 und im Anschluss wieder zurück zu TeBe Berlin wechselte. Bei den Veilchen konnte der Nachwuchsstürmer direkt in die A-Jugend einsteigen und spielte in der Regionalliga Nordost seine „beste Saison“, wie Thiele es selbst sagt. Am Ende stiegen die Veilchen in die A-Junioren-Bundesliga Nordost auf. Obwohl sich die Torschützenliste der Saison nicht mehr finden lässt, muss Thiele bemerkenswert häufig getroffen haben. Denn das Telefon seines Vaters, der gleichzeitig sein Berater war, stand von nun an nicht mehr still. „Einige der ganz Großen riefen an, am Schluss fühlte ich mich in den Gesprächen mit Werder Bremen am wohlsten“, sagt der Stürmer heute darüber. Dem Wechsel in eine andere Stadt stand der damals noch nicht volljährige Thiele mit gemischten Gefühlen gegenüber: „Einerseits musste ich meine Heimat und meine neue Freundin (Anm. d. Red. heutige Frau) zurücklassen. Aber auf der anderen Seite hatte ich eine riesige Vorfreude, denn es gibt nur eines, was ich will: Und das ist Fußball.“

In Bremen kam Thiele schnell an, bewies sich in der A-Jugend und wurde mit 18 Jahren das erste Mal in der 3. Liga für Werders Reserve eingewechselt. Doch nach einer weiteren Spielzeit, in der Thiele nicht über die Rolle des Jokers hinauskam, folgte der Stürmer einer Einladung des FC Schalke 04 und verstärkte die zweite Mannschaft in der Regionalliga West. Unglücklicherweise hatte sich Thiele in Bremen einen Mittelfußbruch zugezogen, den man erst in Gelsenkirchen erkannte. Fast ein halbes Jahr fiel der damals 19-Jährige aus – eine Zeit, die er durch „den Rückhalt in der Familie und Beziehung“ überstand. Sein Mut schien darunter nicht gelitten zu haben. Denn nach der Saison mit wenig Spielpraxis nahm Thiele an einem Probetraining von Alemannia Aachen teil und überzeugte. Bei dem Absteiger aus der 2. Bundesliga avancierte Thiele zum Publikumsliebling. Doch der Stürmer entschied sich für einen Wechsel zu Borussia Dortmund II, nachdem bei der Alemannia durch Insolvenzverfahren und Punkteabzug der Abstieg in die Regionalliga feststand.

Leider klebte sein Verletzungspech auch bei den Schwarz-Gelben an ihm wie Sporttape: Während der Vorbereitung beim BVB riss Thieles Kreuzband, sodass der Stürmer nur auf sieben Partien in der Spielzeit kam. Dem grade genesenen Spieler wurde in der folgenden Sommerpause ein Wechsel nahegelegt. Dann riss das Kreuzband erneut. Eine schmerzhafte Zeit in der Reha stand dem vereinslosen Spieler bevor, die fast ein Jahr dauerte.    

Als Thiele wieder so richtig fit war, nahm ihn der Regionalligist SC Wiedenbrück in die bereits laufende Rückrunde auf. Exakt 350 Tage lagen zwischen dem letzten Spiel für Borussia Dortmund II und dem Heimspiel von SC Wiedenbrück, bei dem Thiele die letzte Viertelstunde ran durfte. „Angst hatte ich dabei nicht. Ich war nur heiß. Heiß, es all denen zu zeigen, die meinten, dass nach dem zweiten Kreuzbandriss Schluss ist“, sagt Thiele und man hört, wie wichtig es für ihn war, sich zu beweisen.

Das tat er auch in der kommenden Spielzeit auf der Insel. Während der Sommerpause wechselte der Stürmer zu Burton Albion, einem Verein, der gerade in die dritte Liga Englands aufgestiegen war und den Durchmarsch plante. „Das war eine kulturelle Umstellung. Es hat Monate gedauert, bis ich mich an das neue Land und den Sport dort gewöhnt habe“, denkt Thiele an die Zeit zurück. Mit dem deutschen Stürmer ging der Plan von Burton Albion auf und der Klub kletterte am Ende der Saison in die zweite Liga, nur Thiele zog es zurück nach Deutschland.

„Als ich in den Gesprächen mit Carl Zeiss Jena von deren damaligen Ambitionen erfuhr und merkte, wie sehr sie sich um mich bemühten, war ich schnell überzeugt“, begründet Thiele seinen Wechsel nach Thüringen. Und der dreifache DDR-Meister bewies einen richtigen Riecher: Thiele verwandelte in der Regionalliga-Saison 14 Bälle selbst, legte weitere elf auf und schoss zudem einen Doppelpack im Relegationsaufstiegsspiel gegen die Viktoria, was letztlich für Jena die Rückkehr in die 3. Liga bedeutete. Thiele lässt sich von der Statistik nicht mitreißen, sondern bleibt sachlich: „Wenn man eine längere Zeit ohne Verletzung ist, spielt man einfach besser.“

Doch auch mit Rückenproblemen lief es in der nächsten Saison gut: Thiele schoss elf Tore, vier davon beim 4:3 gegen den SV Wehen Wiesbaden und gewann den Thüringer Landespokal. Dies überzeugte offensichtlich den Zweitliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern, sodass die Roten Teufel für den Stürmer satte 400.000 Euro an Ablöse zahlten. Somit ist Thiele der siebtteuerste Neuzugang in der Geschichte der 3. Liga, doch von dem Preisschild ließ sich er sich nicht aus der Fassung bringen: „Den Betrag habe ich mir nicht ausgedacht, deshalb habe ich mich nicht davon unter Druck setzen lassen.“ Für die Roten Teufel sollte sich der Einkauf gelohnt haben, denn in zwei Spielzeiten erzielte der Stürmer 17 Tore, bereitete 14 weitere Treffer vor und holte beide Jahre den Südwestpokal.

Seit dem vergangenen Sommer trägt Thiele nun das Trikot von Viktoria Köln. „Die guten Gespräche mit Wunderlich (Anm. d. Red. Franz Wunderlich, Sportvorstand von Viktoria Köln) haben mich überzeugt, zudem wollte ich schon immer mit Mike (Anm. d. Red. Mike Wunderlich, Kapitän von Viktoria Köln) zusammenspielen“, so der 29-Jährige über den Wechsel auf die Schäl Sick. Der Stürmer, der selbst nach über 160 Spielen in der 3. Liga noch für den Fußball brennt, verrät am Ende auch, was er sich für die Rückrunde vorgenommen hat: „Ganz einfach: mehr gewinnen.“

Viktoria – das V steht für Vussball!

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