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Maximilian Rossmann im Porträt

Foto: Jakob Settgast/Viktoria Köln

30.09.2020

In unregelmäßigen Abständen stellen wir die Spieler von Viktoria Köln vor. Heute: Maximilian Rossmann.

Wer die bisherigen zwei Saisonspiele von Viktoria Köln verfolgt hat, dem wird der Neuzugang Maximilian Rossmann in der Innenverteidigung aufgefallen sein. Nicht wegen seiner eindrucksvollen 1,96 Meter, sondern aufgrund seiner Bereitschaft, den Mund aufzumachen sowie Ball und Gegner zu stoppen – auch zulasten der eigenen Gesundheit. Doch was treibt den A-Junioren-Meister von 2013 an? Ein Einblick in seine bisherige Karriere zeigt, wie Rossmann tickt.

Wenn Maximilian Rossmann, kurz ‚Rossi‘ genannt, über seine Kindheit in Düsseldorf und Braunschweig redet, dann sind die Dankbarkeit und der Respekt gegenüber seinem Vater unverkennbar. „Manche haben Fußballstars als Idole – ich habe meinen Vater“, so der 25-Jährige. Dieser hätte ihn immer unterstützt, wo er nur konnte. Jedes Turnier, jede Fahrt, jede Trainingseinheit – sein Vater war immer dabei. Als Druck hat der Innenverteidiger, der in seiner Jugend noch Zehner spielte, das aber nie wahrgenommen. Eher hätte sein Vater ihm früh klar gemacht, dass wenn man etwas erreichen wollen würde, auf andere Dinge verzichten müsste. Als manche Mitspieler vom ihm durch Partys und Mädchen den Fußball begannen zu vernachlässigen, blieb Rossi fokussiert. „Klar, es ist nicht toll, um zehn von der Geburtstagsfeier deines besten Freundes gehen zu müssen“, erinnert er sich, „aber bereuen tue ich es nicht.“

Fußball spielen begann Maximilian Rossmann bei Eintracht Braunschweig und dem HSC Leu Braunschweig, bevor er nach einem Testspiel gegen VfL Wolfsburg zu den Wölfen geholt wurde. Zu Beginn lief es gut, Rossmann wurde zur Niedersachsenauswahl berufen und nahm an DFB-Lehrgängen teil – doch dann kam das, was Rossmann in seiner Karriere verfolgt, wie er den gegnerischen Stürmer in seinem Sechzehner: Verletzungspech. Im Vollsprint wurde er gefoult und der Knall, den sein Bein von sich gab, war über das ganze Spielfeld zu hören. Wie sich herausstellte, war sein oberer Beckenkamm knöchern ausgerissen, bis heute wird sein Bein mit Schrauben und Draht an Ort und Stelle gehalten. Für den damals 15-Jährigen brach eine Welt zusammen, fast ein dreiviertel Jahr brauchte er, um sich wieder heranzukämpfen. Doch sein Vater und das weitere Umfeld fingen ihn auf.

Unglücklicherweise ist nicht jede Unterstützung oder jeder Ratschlag im Nachhinein gut. Nachdem Rossmann bei den A-Junioren Deutscher Meister wurde – mit einer Mannschaft, in der Fußballer wie Maxi Arnold oder Julian Brandt kickten – rieten ihm seine Eltern, in die U 23 vom VfL Wolfsburg zu gehen und parallel eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Volkswagen anzufangen. In der Reserve von Wolfsburg war er der achte (!) Innenverteidiger im Kader und wurde selten mit zu Spielen genommen. Auch merkte er schnell, dass der Beruf des Industriekaufmanns nichts für ihn war. So beendete Rossmann kurzerhand seine Ausbildung und schaute sich nach anderen Vereinen um. „Ich will niemand sein, der später mit verpassten Möglichkeiten hadert“, erklärt er seine Einstellung.

Doch wie viel Mut damals schon in dem 19-Jährigen gesteckt haben muss, zeigte sich, als sich während der Winterpause eine Möglichkeit bot: Alexander Klitzpera, Trainer von Alemannia Aachen, kannte ihn noch von der Wolfsburger Jugend und suchte händeringend einen Innenverteidiger. Für Rossmann war nicht das Geld wichtig, auch nicht die Liga, er wollte nur spielen. So verließ er seine ihm so wichtige Umgebung und zog ins 450 Kilometer weit entfernte Aachen. Die Gespräche mit Trainern waren bereits damals für ihn entscheidend, um sich für einen Wechsel zu entschließen: „Alexander Klitzpera sagte mir: ‚Wir wollen dich. Wenn du auch willst, dann spielst du hier in vier Tagen gegen RWO.‘“ Rossmann wollte. Und vier Tage später gewann er mit Aachen gegen Rot-Weiß Oberhausen.

Durch seine solide Leistung bei der Alemannia wurde die Reserve vom FSV Mainz 05 auf ihn aufmerksam. Rossi, dessen Vertrag sich automatisch nach zwei weiteren Partien für die Aachener verlängert hätte, suchte das Gespräch mit der Alemannia: „Andere würden Ausreden vorschieben oder eine Verletzung vortäuschen, aber ich spreche die Dinge immer an.“ Alemannia Aachen zeigte Verständnis und ließ ihn ziehen. Seine Zeit in Mainz betitelt der Abwehrhüne als „lehrreich“. Mit der U 23 der Mainzer stieg Rossmann ab, bei 15 der zwanzig Niederlagen stand er auf dem Rasen. „Ich kann bis heute nicht mit Niederlagen umgehen“, gesteht Rossmann, „ich habe dann ein, zwei Tage schlechte Laune und das kann schwer sein für mein Umfeld.“ Dennoch zieht er ein positives Resümee über die Abstiegssaison: „Unser damaliger Trainer Sandro Wagner ist ein Menschenfänger. Er ist fachlich gut und für ihn ist jeder wichtig. Wenn man Stress vor der Disco gehabt hätte, er wäre vorbeigekommen, denn für ihn sind wir alle ein Team.“

Dass es auch mit Trainern anders gehen kann, bemerkte der Abwehrspieler spätestens bei seinem nächsten Verein Sportfreunde Lotte. Er hätte sich zwischen verschiedenen Vereinen aus der 3. Liga entscheiden können, aber Ismail Atalan, Trainer von Lotte und ausgezeichnet als bester Drittliga-Trainer, überzeugte ihn am Telefon. Drei Tage nach Rossmanns Ankunft war Ismail plötzlich weg – drei auf ihn folgende Trainer erlebte der Innenverteidiger in dieser Saison bei den Sportfreunden. Rossmanns Art, die Dinge beim Namen zu nennen und eine längere Bänderverletzung, machten seinen Stand innerhalb des Vereins nicht leichter. Doch auch wenn ihm signalisiert wurde, dass man aufgrund seiner Leistung mit ihm nicht zufrieden sei, versteckte er sich nicht, sondern warf kämpferisch alles in die letzten Spiele. Zum Glück.

Denn bei einem Spiel sah Frank Wormuth, Trainer des niederländischen Erstligisten Heracles Almelo, zu. „Er sagte: ‚Du bist nicht perfekt, aber du bist schnell, groß, zweikampfstark und machst den Mund auf – den Rest kann ich dir beibringen“, erinnert sich der Innenverteidiger heute an die Aussage des Trainers, der zuvor jahrelang Lehrgänge beim DFB leitete. Auch wenn das Verhältnis von Wormuth und Rossmann nicht darauf schließen lässt, dass sie sich ab und zu auf ein Kölsch treffen, hört man bei Rossi den Respekt gegenüber dem Trainer heraus: „Der erklärt dir, wie eine Viererkette zu funktionieren hat, wie ein Spielaufbau vollzogen wird – er ist kein Trainer, er ist ein Lehrer.“

Unter ihm blühte Rossmann auf und war fasziniert von der Eredivisie, in der man „Spielidee, Mentalität und Kreativität“ anders lebte als in der 3. Liga in Deutschland. In seiner ersten Saison wurde Almelo überraschend Siebter, erreichte fast sogar die Euro-League. Doch der Wind drehte sich zu Beginn der zweiten Saison. Rossmann wurde zum Saisonauftakt nach den ersten 30 Minuten vom Feld genommen – die Höchststrafe für einen Spieler. „Ich bin selbst mein größter Kritiker und weiß, dass das sicherlich nicht mein bestes Spiel war. Aber mir kam es zu diesem Zeitpunkt vor, als suche man nach Gründen, mich nicht mehr auf dem Platz haben zu wollen.“ Was auch geschah: Rossmann stand bald nicht mehr im Kader, dann zwang ihn eine Knieverletzung zu pausieren.

Doch Rossi wäre nicht Rossi, wenn er nicht wieder aufstehen und weitermachen würde. Als er nach gut fünf Monaten wieder ein Spiel für Heracles machen durfte, schnürte der Innenverteidiger gegen Feyenoord Rotterdam direkt einen Doppelpack, der seine ganze Spielintelligenz zeigte. Der Verein dankte es ihm mit einem Sitzplatz auf der Bank für das nächste Spiel, danach stand er wieder nicht im Kader. Zeit, sich darüber zu ärgern, blieb Rossi allerdings kaum, denn die niederländische Saison wurde durch Corona abgebrochen. „Ich hätte gern mehr Zeit gehabt, mich für andere Mannschaften zu empfehlen“, sagt Rossmann, der Angebote von einigen Erstligisten aus anderen Ländern hatte.

Doch warum zur Viktoria in die 3. Liga, wenn auch Vereine in der Türkei, Schweden oder Polen Interesse zeigten? „Der Kontakt zu Viktoria wurde bereits im Winter aufgebaut und ist seitdem nicht mehr abgerissen“, sagt der 50-fache Drittliga-Spieler. „Die Gespräche mit Pavel (Dotchev, Cheftrainer, Anm. d. Red.), Franz (Wunderlich, Sportvorstand, Anm. d. Red.) und Steegi (Marcus Steegmann, Anm. d. Red.) waren stets gut. Ich will weiter nach oben klettern und das will die Viktoria auch. Auch wenn wir nach zwei Saisonspielen erst einen Punkt haben, bin ich optimistisch. Denn wir haben eine Qualität in der Mannschaft, die sich nicht verstecken braucht.“ Das Umfeld in Köln gefällt ihm: „Ich habe hier eine Menge alter Kollegen. Und auch wenn ich jetzt nicht mehr die ganz große Wohnung wie in Almelo habe, mag ich es hier.“ Sollte sich das ändern - da kann man sich sicher sein - wird Maximilian Rossmann es sagen.

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