Viktoria Köln 1904

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Klingenburg: einmal Australien und zurück

Foto: Julia Schulz/Viktoria Köln

11.09.2020

Von einem frischgebackenen Vater und Profifußballer ein Interview zu bekommen, verlangt einiges an zeitlicher Flexibilität. Umso schöner ist es, eine Autofahrt mit einem Gesprächspartner zu haben, der kein Blatt vor den Mund nimmt. René Klingenburg, bereits vor fünf Jahren Stammkraft bei der Viktoria, spricht über die letzten turbulenten Monate, Wertschätzung von Spielern in Vereinen und seine Rückkehr nach Höhenberg.

Herr Klingenburg, Sie waren bereits 2015 bei Viktoria Köln unter Vertrag, damals noch in der Regionalliga. Hat sich bei Ihnen seitdem viel verändert?

René Klingenburg: Total. Ich bin nach meiner Zeit bei der Viktoria für drei Monate nach Australien gereist. Ich war privat wie sportlich unaufgeräumt, hatte zu viele Flausen im Kopf, dazu kamen Verletzungen – kurzum, der Fußball kam zu kurz. Die Zeit in Australien hat mich geerdet und charakterlich wachsen lassen. Alleine auf der anderen Seite der Welt zu sein, hat mir geholfen, meinen Stolz beiseitezulegen, noch einmal komplett bei null anzufangen und mein Ziel, Profifußballer zu werden, richtig anzugehen. Ich bin nun auch mit diesem Ziel hierhergekommen, will richtig fit werden und guten Fußball spielen. Denn meine Zeit in Dresden war turbulent. Meine Frau wurde schwanger, dann kam Corona und setzte bei Dynamo mehrfach den Spielbetrieb aus. Man trainiert dann drei Wochen, nur um wieder im Anschluss zwei Wochen unter Quarantäne gesetzt zu werden. Das trieb den Stressfaktor hoch. Früher wäre ich in so einer Situation explodiert. Doch mittlerweile kann ich damit umgehen. Auch den Verein zu wechseln, ist während Corona keine einfache Sache. Aber nach einem Gespräch mit dem Trainer Pavel Dotchev war mir schnell klar, dass ich zurückkommen will.

Ist Viktoria Köln jetzt ein anderer Verein als noch vor fünf Jahren?

Klingenburg: Als ich damals zu Viktoria Köln in die Regionalliga West kam, wurden sie gehandelt wie der FC Bayern München der Liga. Der Verein wurde von außen als abgehoben wahrgenommen, oftmals wurde er negativ ins Schaufenster gestellt. Ich kann aber jetzt sagen, dass Viktoria viel dazugelernt hat. Ich bin begeistert von dem Trainer und der Truppe, von der ich ein Teil sein kann. Man hat Vertrauen und weiß immer, wo der richtige Ansprechpartner sitzt. Vertrauen ist für mich das A und O – und das gibt es in vielen Vereinen nicht mehr.

Bei Ihrer Verpflichtung vor einem Monat hatten Sie bereits gesagt, dass das in Sie gesetzte Vertrauen ein Grund ist, warum Sie zur Viktoria zurückgekehrt sind…

Klingenburg: Es ist immer noch Fußball, hier zählt die Leistung. Bringst du die nicht, ist alles für die Katz. Vertrauen hat bei mir aber vor allem etwas mit Wertschätzung zu tun. Und hier kriege ich die Wertschätzung, die ich vielleicht in einem anderen Verein nicht erhalten hätte, wo andere Spieler noch einen Kredit aus der letzten Saison haben. Hier ist das nicht so. Bei der Viktoria erkennt der Trainer genau, wer Leistung bringt und wer sich aus der Masse abhebt.

Das klingt, als ob Sie richtig angreifen wollen. Haben Sie sich ein persönliches Ziel gesetzt?

Klingenburg: Ja, habe ich.

Möchten Sie es mitteilen?

Klingenburg: Nein. Es ist ja ein persönliches Ziel.

Sie sind gebürtig aus Oberhausen und haben viel Verwandtschaft in der Gegend. Wie wichtig war es für Sie, wieder in die Nähe zu ziehen?

Klingenburg: Bis ich nach Australien ging, war es für mich undenkbar, woanders als in West-Deutschland Fußball zu spielen. Doch jetzt, nach Australien, ist mir klar, dass ich auf lange Sicht gerne Deutschland verlassen will. Von daher war das nicht entscheidend für den Wechsel zur Viktoria. Schließlich gäbe es genug andere Vereine, die auch in West-Deutschland zu Hause sind.

Nun sind Sie seit Kurzem Vater geworden (hier noch einmal vom ganzen Verein herzlichen Glückwunsch). Wie ist diese neue Herausforderung mit dem Profisport in Einklang zu bringen?

Klingenburg: Meine Frau nimmt mir sehr viel ab, sie steht zum Beispiel nachts auf. Sie ist eine echte Powerfrau.

Ihren Antrag hat sie bereits angenommen. Wann wird geheiratet?

Klingenburg: Eigentlich wollten wir nächstes Jahr heiraten. Aber da wegen Corona vieles ungewiss ist, heiraten wir wahrscheinlich erst im Jahr darauf. Ich will mich wirklich auf die Saison konzentrieren und richtig Gas geben. Und das läuft gut an. Nicht zuletzt wegen meines Personalcoachs, den ich in Dresden nicht hatte. Zuvor, bei Preußen Münster, hatte ich einen Personalcoach und habe mit ihm dreimal die Woche trainiert, was mir sehr guttat. Das ist auch ein Stück weit Aberglaube. Um bei Laune zu bleiben, brauche ich das.

Ihre Frau hat fast eine halbe Million Follower auf Instagram. Gibt Sie Ihnen Tipps, wie Sie auch mehr Follower erhalten?

Klingenburg: Nein. Wenn ich jetzt ein großer Star mit fünf Sponsoren auf dem Rücken wäre, wäre das sicherlich etwas anderes. Aber so mache ich auf Instagram, wozu ich Lust habe. Andere sagen: ‚Du stehst in der Öffentlichkeit, du musst aufpassen.‘ Mir ist das Schnuppe. Wenn ich Bock habe, etwas zu posten, dann poste ich das.

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