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Berzel im Porträt: „Ich bin eigentlich ein ganz netter Mensch“

Aaron Berzel soll der Viktoria-Abwehr zu mehr Stabilität verhelfen (Foto: Besnik Abazaj/Viktoria Köln)

23.09.2021

Aufstiege, Abstiege, Relegationen: Die bisherige Karriere von Aaron Berzel war ein spannendes Auf und Ab. Mit 29 Jahren hat der Abwehrspieler bereits in jedem Eck des Landes gespielt und zwischen 2. Bundes- und Oberliga fast 300-mal den Gegner am Torschuß gehindert. Dass Berzel nun seine Schuhe für Viktoria Köln schnürt, ist kein Zufall.

Wenn er gefragt wird, wie er zum Fußball kam, dann liegt die Antwort klar auf der Hand. „Ich habe als kleiner Junge schon gegen alles getreten, was rollen konnte“, erinnert sich der heute 29-Jährige an seine Kindheit zurück. Berzel kommt aus Mauer, einem Dorf in Baden-Württemberg, welches der Fundort eines 500.000 Jahre alten Unterkiefers eines prähistorischen Menschen ist und zugleich die Heimat der SG Viktoria Mauer. Schon bald schnürte der Nachwuchskicker seine Schuhe für die Sportgemeinschaft, doch bereits in der E-Jugend fiel der Verteidiger bei einem Turnier der TSG Hoffenheim auf. Für den jungen Spieler, der einerseits Profifußballer werden und andererseits nicht den Familienbezug verlieren wollte, war das eine ideale Lösung. Denn Mauer und Hoffenheim sind quasi Nachbarorte.

„Meine sieben Jahre bei der TSG waren cool“, erinnert sich der Innenverteidiger heute an seine Jugend zurück, „doch nach der B-Jugend gab es mehrere Anfragen und ich wollte etwas Neues ausprobieren.“ Berzel sah sich verschiedene Internate an, am Schluss entschied er sich mit dem VfL Wolfsburg für eine der besten U 19-Mannschaften des Landes. „Das war nicht immer leicht“, gibt der 1,84 Meter große Fußballer zu, „ich habe mir in der Vorbereitung eine Knieverletzung zugezogen. Da habe ich schon gemerkt, wie mir meine Familie fehlt. Doch alles in allem hatte ich eine richtig gute Zeit.“ Und diese nutzte der Innenverteidiger sehr erfolgreich: In beiden U 19-Spielzeiten war er bei den Wölfen Stammkraft, im zweiten Jahr wurden die Grün-Weißen sogar Deutscher A-Jugendmeister (4:2-Sieg im Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern).

Dank seiner Leistung bot der VfL dem damals 19-Jährigen einen Vertrag für die zweite Mannschaft an, doch Berzel wollte „in einer richtigen Herrenmannschaft“ Fuß fassen. So zog es den Abwehrspieler noch höher in den Norden zum Regionalligisten Holstein Kiel. „Ich kam gut mit der Umstellung auf den Herrenfußball zurecht“, sagt er darüber, „ich bin ja auch nicht der filigranste Spieler. Eher einer, der zulangt. Ich bin eigentlich ein ganz netter Mensch, nur nicht auf dem Rasen.“ Der frischgebackene Profi wurde bei den Störchen in Windeseile Stammkraft und konnte mit seiner Mannschaft überraschend den Einzug in das DFB-Pokal-Viertelfinale feiern. Dort gab es zwar gegen Borussia Dortmund ein 0:4, aber Berzel durfte 90 Minuten gegen niemand Geringeren als Robert Lewandowski (zu dieser Zeit bei den Schwarz-Gelben) verteidigen.

Auch wenn die Störche damals nicht in die 3. Liga aufstiegen, der Abwehrspieler tat es. Babelsberg 03 nahm ihn unter Vertrag, was am Abstieg Ende der Saison aber nichts änderte. „Es war trotzdem eine gute Erfahrung für mich“, sagt Berzel heute dazu, „denn ich habe gemerkt, dass ich in der 3. Liga mithalten kann.“ Aus Brandenburg ging es daraufhin zurück in Richtung Heimat, genauer gesagt zum SV Darmstadt. Die 98-er wären eigentlich Babelsberg in die vierte Spielklasse gefolgt, doch weil der verschuldete Traditionsklub Kickers Offenbach die Bedingungen für eine Drittligalizenz nicht erfüllte, stieg der OFC anstelle der Lilien ab. „Bei Darmstadt hat vieles gepasst“, sagt Berzel, der für den Wechsel zurück in sein Elternhaus gezogen war, „die Mannschaft, die Atmosphäre drum herum, das war einfach gut.“

Und die Erfolgserlebnisse ließen nicht lange auf sich warten: Die Lilien erarbeiteten sich einen dritten Platz in der Drittligatabelle und stießen somit in der Relegation auf Arminia Bielefeld. Nachdem die Arminen das Hinspiel mit 3:1 gewonnen hatten, schossen die Lilien im Rückspiel auswärts in der Nachspielzeit der Verlängerung das 4:2. „Der Gegner bekam in der 123. Minute noch einmal einen Freistoß, der Ball kam über Umwege zu einem Bielefelder und der schoss! Ich hielt den Fuß hin und klärte das Ding kurz vor der Linie“, erinnert sich Berzel über seine „wichtigste Aktion in einem der wichtigsten Spiele“ seiner Karriere. Augenblicke später war die Partie vorbei, der SV Darmstadt stieg in die 2. Bundesliga auf und nahm den mittlerweile 22-Jährigen mit.

Dort angekommen gab es taktische Umstellungen bei den Lilien, wodurch der Verteidiger seinen Stammplatz einbüßen musste. Berzel wechselte daher in der Winterpause zum damaligen Drittligisten Preußen Münster. „Dort habe ich etwas den Spaß am Fußball verloren“, sagt der heute 29-Jährige über seine Zeit bei den Adlern, „ich fühlte mich kaputt.“ Doch seine Familie und seine Frau überzeugten ihn, die Freude am Fußball bei einem anderen Verein zu suchen. So ging es für den Abwehrspieler zum SV Elversberg. In seinen zwei Spielzeiten in der Regionalliga Südwest (beide Male scheiterte der SVE in der Aufstiegsrunde zur 3. Liga) kassierte seine Mannschaft nie mehr als zwei Tore, wenn er auf dem Platz stand und Berzel machte der Profisport wieder Spaß. Und dann kam der Anruf aus München.

„Ich habe bei Sechzig von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt“, erzählt der Abwehrspieler, der 80-mal für den TSV 1860 München auf dem Rasen stand. „Auch wenn die Lage emotional war, war sie doch immer positiv.“ Der Traditionsverein aus München war zuvor krachend in die Regionalliga Bayern abgestiegen, doch mit Berzel in der Verteidigung wurde die Pflichtaufgabe Wiederaufstieg bewältigt. Auch in der 3. Liga blieb man dem Baden-Württemberger treu, selbst wenn der Verein für die Bezahlung des Spielers teilweise auf Spenden von Sponsoren angewiesen war. Der Spieler, der mittlerweile seit zwei Saisons nicht mehr Hellblau trägt, ist bei den Löwen-Fans noch lang nicht vergessen: Als er mit der Viktoria in dieser Spielzeit im Stadion an der Grünwalder Straße auf 1860 traf und nach einem Zusammenprall neben dem Platz behandelt werden musste, hallten Sprechchöre mit seinem Namen über den Rasen.

Nach drei Spielzeiten beim TSV entschied sich Berzel für einen Wechsel zu Türkgücü München, wo er eine Spielzeit verbrachte. Seit dem Sommer ist er nun ein Teil der Viktoria, doch der Kontakt zum Verein besteht schon viel länger. „Franz (Anm. d. Red. Franz Wunderlich, Sportvorstand von Viktoria Köln) und ich kennen uns schon Jahre. Deshalb hatte ich den Verein bereits länger auf dem Radar und das Umfeld gefällt mir super“, sagt der Vater eines kleinen Sohnes über seinen Wechsel auf die Schäl Sick. Die Nähe zur Heimat seiner Frau sowie die Lockerheit in der Domstadt sind zwei weitere Pluspunkte, die ihn überzeugt haben. Doch auch auf dem Platz ist für den 29-Jährigen alles im Lot. „Ich will das einbringen, was mich ausmacht“, sagt Berzel, „und am Ende des Tages will ich einfach Fußball spielen.“

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