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Sebastian Mielitz im Porträt: „Glück muss man sich erarbeiten“

Sebastian Mielitz in Aktion im Sportpark Höhenberg (Foto: Markus Scheuren/Viktoria Köln)

11.12.2020

In unregelmäßigen Abständen stellen wir die Spieler von Viktoria Köln vor. Heute: Torhüter Sebastian Mielitz.

Die Geschichte, wie Sebastian Mielitz zum Fußball kam, beginnt mit seinem besten Kumpel aus Kindertagen. „Ich war im Leichtathletikverein, doch er holte mich zum Fußball“, erzählt der 31-Jährige heute. So kam der Torwart, der als Feldspieler begann, zur TSG Fortuna 21 Grünberg, dem Verein um die Ecke für den Jungen, der im nordbrandenburgischen Löwenberg aufwuchs. Sein Freund teilte nicht nur mit ihm die Leidenschaft für den Fußball im Allgemeinen, sondern auch für den SV Werder Bremen im Besonderen. Am Wochenende schaute Mielitz die Fußballzusammenfassungen im Fernsehen an und träumte davon, auch einmal in der Bundesliga zu spielen.

Doch zuerst ging es für „Miele“, wie er von seinen Kollegen auf dem Feld gerufen wird, zum Oranienburger FC Eintracht 1901 und dem MSV Neuruppin, bevor er nach Cottbus zum FC Energie wechselte: „Mit zwölf Jahren kam ich ins Sportinternat namens ,Haus der Athleten‘. Auf fünf Etagen lebten dort hunderte Nachwuchssportler.“ Dort erfuhr Mielitz zum ersten Mal richtigen Leistungsdruck. „Ich war in einem Jahrgang mit Martin Männel (Anm. d. Red. heutiger Torwart des FC Erzgebirge Aue) und Tom Mickel (Anm. d. Red. heutiger Torwart beim Hamburger SV), natürlich gab es da einen Konkurrenzkampf. Jedes Halbjahr wurde unser sportliches Können in einer Testwoche analysiert. Erzielte man nicht genügend Punkte, war man im nächsten Halbjahr nicht mehr im Internat.“

Nach zwei Jahren endete die Zeit bei Energie Cottbus, denn bei einem Jugendnationalmannschaftslehrgang der U 17 wurde Werder Bremen auf den Nachwuchstorhüter aufmerksam und Mielitz wechselte an die Weser zu seinem Lieblingsklub. „In Bremen war alles ganz anders: Das Internat führte nur zwanzig Spieler pro Jahrgang und ich konnte von meinem Zimmer aus auf das Weserstadion blicken. Wolf Werner, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, sagte immer: ‚Wenn ihr aus dem Fenster schaut, seht ihr, wo ihr hinwollt.‘“, erinnert sich Mielitz. Doch der Einstieg erwies sich als hart für den Schlussmann, der sich mit der ungewohnten Lage anfreunden musste, in der B-Jugend bei Werder nicht mehr im Tor gesetzt zu sein. Auch in der A-Jugend wurde Mielitz anfangs nur in der zweiten Mannschaft zwischen die Pfosten gestellt. Heute erinnert er sich mit ernster Stimme an die schwierige Episode zurück: „Die Zeit war nicht einfach. Doch ich habe hart an mir gearbeitet.“ Und als sich der Torwart der U 19 verletzte, sprang der 17-jährige Mielitz ein und spielte die gesamte Rückrunde in der A-Junioren Bundesliga Nordost/Nord, die Werder Bremen gewann.

Von nun an hatte Mielitz einen guten Stand im Verein, vertrat in der nächsten Saison den verletzten Keeper der zweiten Seniorenmannschaft in der Regionalliga Nord und durfte auch mit der ersten Mannschaft trainieren: „Bei meinem ersten Torwarttraining stand Thomas Schaaf (Anm. d. Red. damaliger Trainer von Werder Bremen) hinter meinem Kasten. Ich habe eine super Einheit absolviert, dachte ich, aber er kam danach zu mir und meinte: ‚Da müssen wir aber noch ein bisschen arbeiten.‘“ Und der Trainer, der in den kommenden Jahren für den Schlussmann zur Vaterfigur wurde, vertraute auf Mielitz und gab ihm Rückendeckung. „Er redete nie viel“, sagt Mielitz über den Coach, der ihn über sieben Jahre begleitete, „aber dadurch wusste man, dass alles im Lot war.“ Zuerst nahm Schaaf ihn mit zu Bundesliga- und DFB-Pokalspielen, doch dann kam der Tag, an dem Wolf Werners Worte wahr wurden. „Die Bild-Zeitung rief mich an, noch bevor einer aus dem Verein mit mir geredet hatte. Sie erzählten mir, dass Tim (Anm. d. Red. Tim Wiese, damaliger Torwart bei Werder Bremen) erkrankt sei und ich somit spielen würde“, so der Keeper, der Datum und Anstoßzeit seines Werder-Debüts sofort parat hat, „und so stand ich am 3. Dezember 2009 um 21.05 Uhr im Weserstadion auf dem Feld und brachte in der Europa-League eine solide Leistung.“ Werder gewann die Partie gegen Nacional Funchal mit 4:1, in dem darauffolgenden Bundesligaspiel beim 1. FC Köln hielt Mielitz vor 50.067 Zuschauern den Kasten sauber.

„Mit Tim Wiese bin ich in der Kabine super klargekommen, aber aus seinem Schatten zu treten, war eine schwierige Nummer“, sagt der 1,90 Meter große Schlussmann über die anschließenden Spielzeiten. Mielitz war als zweiter Torhüter ein geschätzter Ersatzmann, kam aber nur zu wenigen Einsätzen in der ersten Mannschaft. Doch von Frust keine Spur, bei dem Keeper scheint die Dankbarkeit für das in ihn gesetzte Vertrauen zu überragen. Und als in der Sommerpause 2012 der Vertrag von Tim Wiese nicht verlängert wurde, hatte die Stunde für den damals 23-jährigen Torwart geschlagen. Die erste Saison für den neuen Stammtorhüter wurde allerdings überschattet von der unterdurchschnittlichen Leistung der Mannschaft, die die letzten 13 Spiele sieglos blieb. Werder trennte sich daraufhin einvernehmlich von  Thomas Schaaf. Der neue Coach Robin Dutt setzte zwar in der kommenden Spielzeit zunächst auf Mielitz, allerdings entzog der Trainer ihm das Vertrauen nach 13 Spieltagen. Die restliche Saison saß der Schlussmann nur noch auf der Bank.

Somit endete das Kapitel Werder Bremen für den Torwart, der beim SC Freiburg die nächste Herausforderung suchte. „Die Gespräche waren gut und das Umfeld passte. Mir wurde gesagt, dass noch ein weiterer Keeper verpflichtet und um die Torwartposition gekämpft werden müsse“, sagt Mielitz über seinen Wechsel. Der andere Torhüter, Roman Bürki (Anm. d. Red. heutiger Torhüter von Borussia Dortmund), überzeugte Freiburg-Trainer Christian Streich und stand bis auf die DFB-Pokalspiele zwischen den Pfosten. „Damit muss man leben“, sagt Mielitz, der weder auf den Klub noch auf die Stadt im Breisgau etwas Schlechtes kommen lässt. „Du musst die Spannung hochhalten und bereit sein für deine Chance. Und ich glaube, Roman war zum Teil deshalb so gut, weil ich ihn im Training gepusht habe“, blickt Mielitz zurück. Doch auch Bürki konnte nicht verhindern, dass der SC Freiburg in die 2. Bundesliga abstieg. Sebastian Mielitz ging ebenfalls ins Unterhaus, aber zur SpVgg Greuther Fürth. Die „Gewissheit, garantiert zu spielen“, zog den Torwart nach Mittelfranken. Dort absolvierte er in seiner ersten Saison bis auf das letzte Spiel jede Minute in der Liga. Doch in der folgenden Spielzeit wurde ohne ihn geplant. Aus der gegenwärtigen Sicht zeigt sich die Größe von Mielitz, der dieses Kapitel mit den Worten „es hat einfach nicht mehr gepasst“ kurz und bündig abschließt.

Im März 2017 wurde Mielitz von SønderjyskE Fodbold nach Dänemark für eine Trainingswoche eingeladen. Der Verein hatte großes Interesse und obwohl Mielitz Angebote aus der 2. Bundesliga vorlagen, passte es wie „die Faust aufs Auge“. Der Verein gab dem Torwart, der zu dieser Zeit ein halbes Jahr ohne Spielpraxis gewesen war, eine Bühne, was für Mielitz einen großen Vertrauensbeweis darstellte. In den kommenden drei Spielzeiten, die der Schlussmann für den dänischen Erstligisten absolvierte, war er die klare Nummer eins im Tor. Die Krönung folgte in diesem Jahr mit dem Gewinn des dänischen Pokals. „Das kam völlig überraschend“, sagt Mielitz bescheiden, „Trainer Glenn Riddersholm hatte am Anfang der Saison gesagt: ‚Meister werden wird schwierig, dann holen wir eben den Pokal‘ – und genau das haben wir dann auch gemacht.“

Trotzdem zog es Mielitz zurück nach Deutschland. „Der Kontakt zur Viktoria bestand schon länger. Ich habe mit unterschiedlichen Vereinen öfters gegen Mannschaften von Pavel (Anm. d. Red. Pavel Dotchev, Cheftrainer von Viktoria Köln) gespielt und schätze ihn. Mit George (Anm. d. Red. George Berneanou, Torwarttrainer von Viktoria Köln) hat der Verein einen guten Torwarttrainer, der immer offen und ehrlich ist“, lobt Sebastian Mielitz die Viktoria und führt weiter aus, „ich wurde hier gut aufgenommen und fühle mich wohl. Das braucht man, um in den Flow zu kommen, wo die Dinge dann auch einfach klappen, damit das Glück auf deiner Seite ist. Dieses Glück muss man sich erarbeiten.“

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