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Jeremias Lorch im Porträt

Jeremias Lorch kommt zu seinem Pflichtspieldebüt gegen Bayern II (Foto: Jakob Settgast/Viktoria Köln)

29.10.2020

In unregelmäßigen Abständen stellen wir die Spieler von Viktoria Köln vor. Heute: Jeremias Lorch.

Ambitionen zu haben und gleichzeitig auf dem Boden zu bleiben, ist für viele im Fußballgeschäft schwierig. Für Jeremias Lorch nicht. Der Neuzugang der Viktoria redet gerne darüber, wie wichtig ihm das Vereinsumfeld oder die Nähe zu seinen Mitspielern sind.

Lorch kommt aus einer Fußball-Familie. Seine drei jüngeren Brüder kicken im Jugendbereich, sein Vater spielte für die Stuttgarter Kickers im Ober- und Unterhaus. Sein Opa fuhr ihn zum Training als er klein war. In der Jugend spielte er unter anderem für den VfB Stuttgart. Der 24-Jährige sieht es pragmatisch: „Als ich klein war, gab es in der Gegend nur den VfB.“

Generell scheint beim 1,89 Meter großen Mittelfeldspieler die Ergebnisorientierung höchste Priorität zu genießen. Als er innerhalb eines Jahres über fünfzehn Zentimeter wuchs, sodass die Ärzte ihm den Fußball untersagten, endete das Kapitel VfB Stuttgart für den damals Fünfzehnjährigen. Doch als sein Körper es wieder zuließ, entschied er sich nach Absprache mit seinem Vater für einen höheren Schulabschluss und den SGV Freiberg. Hier spielte der defensive Mittelfeldmann recht schnell in der Herrenmannschaft in der Oberliga Baden-Württemberg.

Vielleicht mag es eine Feuertaufe gewesen sein für den damals 17-Jährigen, doch Lorch lässt es nicht danach klingen. Der Unterschied zwischen der U 19 und der Oberliga fiel ihm erst auf, als er am Ende der Saison in der A-Jugend aushalf. „Wahrscheinlich hat mir dieses Jahr in der fünften Liga viel mehr gebracht, als wenn ich zu einer Mannschaft mit besserer U 19 gewechselt wäre“, so Lorch heute. Dem Sport- und Gesangsverein Freiberg half es sicherlich: Das Team schlug im Hinspiel den späteren Meister FC-Astoria Walldorf mit 4:0 und mit dem jüngsten Kader der Vereinsgeschichte wurde Freiberg letztlich Tabellenvierter.  

Und so klopften schnell andere Klubs beim SGV an die Tür. Doch weil der Verein eine Ablöse für den jungen Spieler verlangte, wurde man sich erst in der Winterpause mit dem SG Sonnenhof Großaspach einig. „Abgesehen von der Liga war es ein kleiner Verein, was für mich ein bekanntes Umfeld war“, erinnert sich Lorch, „ich wollte dahin und unter Rüdiger Rehm spielen.“ Doch daraus wurde in den kommenden neun Monaten nichts: Kurz nachdem er für die 3. Liga verpflichtet wurde, riss ihm das Kreuzband.

„Ich spüre in meinem Knie nicht, dass ich zwei Operationen hatte“, sagt er, wenn er auf seine Verletzungshistorie blickt. Und so kam er noch stärker zurück, kämpfte sich in die Startelf und bestritt zwei Spielzeiten, die beide recht erfolgreich endeten.

Manch ein Spieler wäre mit einem Stammplatz bei einem ordentlichen Drittligisten zufrieden gewesen, doch die Ambitionen des Mittelfeldmanns trieben ihn weiter. Rüdiger Rehm, mittlerweile Trainer beim SV Wehen Wiesbaden, wollte Lorch erneut. Und der Mann mit dem gefährlichen Distanzschuss folgte dem Ruf: „Das familiäre Umfeld des Vereins passte, auch wohnte meine Freundin in der Nähe – und der Verein hatte den Ehrgeiz, aufzusteigen.“ Doch auch die Verletzungsgeschichte wiederholte sich, diesmal war es der Meniskus. Wieder verpasste der defensive Mittelfeldspieler fast eine ganze Saison. „Das war eine schwierige Situation, denn das Klima innerhalb des Teams war nicht gut. Ich hatte ein Ödem, was mir lange Zeit Schmerzen bereitet hat. Doch mein Trainer hat an mich geglaubt und gesagt: ‚Der wird nochmal wichtig‘.“

Und Rehm behielt recht: In der Aufstiegssaison stand Lorch 24-mal in der Startelf Wiesbadens und erreichte die Relegation. Und auch seine Mitspieler erkannten seinen Wert. „Nachdem der Trainer mich im ersten Relegationsspiel erst kurz vor Schluss eingewechselt hat, kamen ein paar Teamkollegen zu ihm und haben gesagt, dass ich im Rückspiel von Anfang an Spielen müsste.“ Rehm hörte zu und setzte Jeremias Lorch in die Startelf – und Lorch schoss (auch wenn der Ball abgefälscht und deshalb als Eigentor gewertet wurde) den entscheidenden Treffer zum Aufstieg. Keine drei Monate später traf er in seinem ersten DFB-Pokalspiel zweimal gegen den 1. FC Köln und zwang den Bundesligisten in die Verlängerung. Doch von einem Höhenflug ist bei Lorch nichts zu hören: „Ich bilde mir auf so etwas nicht so viel ein. Ich kann meine Leistung gut einordnen und ich weiß, wie schnell es im Fußball gehen kann. Ich glaube, diese Bodenständigkeit liegt bei uns in der Familie.“

Nach einer harten Saison in der 2. Bundesliga, die mit einem Abstieg Wiesbadens endete, muss die Frage erlaubt sein, warum sich der Mittelfeldspieler anschließend für Viktoria Köln entschieden hat. „Für meine Entwicklung war es besser, mir etwas Neues zu suchen“, sagt Lorch selbstbewusst, „ich habe in den drei Jahren, die ich für Wehen Wiesbaden gespielt habe, nie zu einhundert Prozent das Vertrauen gespürt. Und bei der Viktoria habe ich von dem ersten Treffen an mit Pavel Dotchev und Franz Wunderlich ein sehr positives Gefühl gehabt. Hier ist ein familiäres Umfeld mit kurzen Kommunikationswegen, das mag ich.“

Ein klares Ziel hat Lorch auch: „Ich möchte auf lange Sicht zurück in die 2. Liga.“ Vielleicht klappt das ja sogar irgendwann mit der Viktoria.

Viktoria – das V steht für Vussball!

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