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Sead Hajrovic im Porträt

Foto: Julia Schulz/Viktoria Köln

22.04.2020

In unregelmäßigen Abständen stellen wir die Spieler vom FC Viktoria Köln genauer vor. Heute: Sead Hajrović.

Sead Hajrović steht erst seit Mitte Januar in Köln unter Vertrag. Doch er fühlt sich schon sehr heimisch. Die ersten Monate bei den Höhenbergern vergingen wie im Flug. „Ich finde schon, alle die im Winter neu gekommen sind und die schon dort waren, haben in diesem Jahr gute Leistungen gezeigt. Vorher gab es so viele Spiele ohne Sieg und obwohl ich erst sehr spät in der Vorbereitung dazugestoßen bin – genau wie beispielsweise Jonas Carls – ging die Integration sehr schnell“, erinnert sich der 26-Jährige. „Die Mannschaft hat uns sehr geholfen. Und sie hatte von Beginn an Selbstvertrauen, trotz der Negativserie zuvor. Und dann hatten wir sieben Meisterschaftsspiele und haben nur einmal verloren. Dann kam die Unterbrechung durch die Corona-Pandemie.“

Für die Höhenberger kam das Aussetzen des Spielbetriebs daher wohl zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt. „Deshalb heißt es jetzt, wieder hart zu arbeiten und – vorausgesetzt der Spielbetrieb wird in absehbarer Zeit fortgesetzt – die Leistungen, die wir vor der Pandemie gebracht haben, zu bestätigen. Denn so können wir zeigen, dass wir reif für diese Liga sind. Jeder weiß dann, dass wir es verdient haben, in dieser ausgeglichenen und starken 3. Liga zu spielen“, so Hajrović.

An seine Anfänge im Fußball kann sich der in der Schweiz geborene Abwehrmann, der auch den bosnischen Pass besitzt, kaum noch erinnern. „Ich war wirklich noch sehr klein, ich müsste da drei Jahre alt gewesen sein. Mein Bruder Izet [spielte unter anderem für Werder Bremen und steht aktuell bei Dinamo Zagreb unter Vertrag; Anm. der Red.] ist ja zwei Jahre älter als ich. Und bei ihm hat man sehr früh gemerkt, dass er Talent hat und er sehr gut mit dem Ball umgehen kann. Meine Eltern haben das schon im Kindergarten gesehen, er konnte Dinge, die andere nicht konnten. Daher sind wir täglich auf den Fußballplatz gegangen und haben gespielt. Mit der Zeit hat sich dann auch bei mir die Begabung rauskristallisiert. Daher war eigentlich früh klar, dass wir unser Talent später auch beruflich nutzen können“, so Hajrović.

Über den FC Birr ging es recht schnell zum FC Windisch. Rund zwei Jahre danach landete er als Siebenjähriger im Nachwuchs vom Grasshopper Club Zürich, der für eine hervorragende Jugendarbeit stand. Hajrović: „Da spielte ich meistens im Team des älteren Jahrgangs. Wir haben viele Turniere im Ausland absolviert – in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien.“ Offenbar wurde er schon zu dieser Zeit erstmals von einem Scout von Arsenal London gesichtet. Das führte dazu, dass er bereits mit 16 Jahren den Weg ins Nachwuchsleistungszentrum der Briten fand.

Und auch sein bislang größtes sportliches Highlight erlebte der Innenverteidiger nach seinem Wechsel auf die Insel – allerdings nicht für Arsenal, sondern mit der Schweizer Nationalmannschaft. Denn als 16-Jähriger reiste er mit den Eidgenossen zur U 17 Weltmeisterschaft nach Nigeria. „Ich war seit Sommer 2009 bei Arsenal, im Oktober war dann die WM. Eigentlich hat dort der 92er-Jahrgang gespielt, ich war ja noch ein Jahr jünger. Somit war ich der Jüngste, der mitdurfte. Das war eine tolle Erfahrung für mich“, blickt er zurück. Er erlebte Kontraste, die er zuvor noch nie erlebt hatte. „Es war kulturell natürlich ganz anders als ich das gewohnt war. Es herrschte eine große Polizeipräsenz rund um die Mannschaften herum, wir durften das Hotel nie allein verlassen, weil das zu gefährlich gewesen wäre. Egal wo es hinging, wir waren immer mit der Polizei unterwegs. Auf der anderen Seite war die Freude der Menschen zu sehen, die zum Teil so wenig haben und so viel daraus gemacht haben. Da herrschte Begeisterung pur.“

Neu war auch für ihn, was sich in den Stadien tat. „Überall, wo wir spielten, waren volle Stadien. Später im Finale waren es sogar 60.000 Zuschauer. Und ich war ja gerade erst 16 Jahre alt. Das war natürlich eine Sache, die ich so noch nie erlebt hatte. Im WM-Finale haben wir schließlich gegen den Favoriten Nigeria gespielt. Die Fans waren zu 99,9 Prozent für das Gastgeberland. Wir haben eigentlich nicht so viel erwartet. Aber wir wussten, wir können das packen. Wir hatten schon Brasilien, Deutschland und Italien geschlagen, also richtig große Kaliber. Und warum sollten wir nicht auch Nigeria schlagen können? Das ist dann auch so passiert. 1:0 ging es aus. Als der Abpfiff kam, war das Freude pur“, erinnert sich der Abwehrspieler. Nervöser sei er aber vor dem ersten WM-Spiel gewesen. „Das war für mich viel aufregender. Die Anspannung war am größten. Das lag daran, dass man nicht so recht wusste, wo man steht und was einen erwartet. Dann bekamen wir aber mit jedem Spiel mehr Selbstvertrauen. Letztlich haben wir dann ja auch alle Spiele im Turnier gewonnen.“

Nach seiner Zeit in England kehrte Hajrović 2013 in die Schweiz zurück. Hier spielte er zuletzt beim FC Winterthur in der Challenge League, der zweithöchsten Spielklasse des Landes. Seit Anfang des Jahres ist er in Köln – seine Frau Melisa und die beiden Kinder (die Tochter ist drei Jahre alt, der Sohn erst vier Monate) zogen vier Wochen später hinterher. „Wir lieben die Stadt“, sagt Hajrović. Die Mentalität im Rheinland habe ihn überrascht. „Ich bin ein recht ruhiger, familiärer Typ. Und dann kommt man nach Köln und erlebt den Karneval, die Musik und die großartige Stimmung. Alle Leute, die ich bisher kennengelernt habe, waren sehr offen und hilfsbereit. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen die Zeit und das Jetzt genießen. Natürlich machen sie sich auch Gedanken über die Zukunft. Aber es ist nicht so, dass sie sich dabei unter Druck setzen. Das empfinde ich als sehr angenehm.“

Viktoria – das V steht für Vussball!

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