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Dotchev: "Ich habe eine starke Frau"

Foto: blickausloeser/Viktoria Köln

14.03.2020

Seit dem Heimspiel gegen den SC Preußen Münster ist Pavel Dotchev (54) Rekordtrainer der 3. Liga. Mit 237 Partien als Drittliga-Coach hält er zusammen mit Peter Vollmann, aktuell Sportdirektor bei Eintracht Braunschweig, die Bestmarke. Beim nächsten Spiel – der Coronavirus sorgt dafür, dass aktuell nicht vorhersehbar ist, wann das genau sein wird – holt sich Dotchev mit 238 Spielen die alleinige Bestmarke. Wir haben das zum Anlass genommen, um ausführlich mit dem Viktoria-Cheftrainer zu sprechen.

Herr Dotchev, wann und wie haben Sie eigentlich selbst mit dem Fußballspielen begonnen?

Pavel Dotchev: Ich habe mit neun Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Das war bei Lokomotive Sofia, einem bulgarischen Traditionsverein. Danach, mit 18 Jahren, ging es schon zu den Profis. Damals war ich ja noch ein junger Spieler und ich hatte Glück: Mein Mitspieler hat sich damals leider das Bein gebrochen. Da bekam ich dann als Spieler meine erste richtige Chance. Ich werde nie vergessen, wie der Präsident dann vor dem Spiel zu mir sagte: 'Der Vogel ist jetzt auf deiner Schulter gelandet, also greife zu.‘ Ich habe das dann gut hinbekommen, bin mit 21 Jahren Kapitän bei Lokomotive Sofia geworden und habe dort, bis ich 25 war, gespielt. Als Profifußballer war man seinerzeit in Bulgarien privilegiert. Für bulgarische Verhältnisse habe ich recht gut verdient. Wir haben zwar nicht viel gehabt, aber es war eine schöne Zeit.  

Wie sind Sie eigentlich nach Deutschland gekommen?

Dotchev: Später, nach der Zeit bei Lokomotive Sofia, wechselte ich zunächst für ein Jahr zum ZSKA, dem Rekordmeister des Landes. Damals kamen Scouts zu einem Spiel, die eigentlich Jordan Letschkow – mit dem ich in einer Mannschaft spielte – beobachten wollten. Ich bin offensichtlich auch sehr positiv aufgefallen. Hinterher wurde ich angesprochen. So ging es dann 1992 nach Hamburg, zum HSV. Damals war Egon Coordes dort Trainer.

Sie haben in Deutschland beim HSV, Holstein Kiel und beim SC Paderborn unter Vertrag gestanden. Gibt es eine Anekdote, an die Sie besonders gerne zurückdenken?

Dotchev: Ja, da gibt es einige lustige Geschichten. Einen besonderen Spaß erlaubten sich meine Mitspieler bei Holstein Kiel mit mir. Da ich der deutschen Sprache noch nicht mächtig war, gaben sie mir Tipps, wie ich etwas auf Deutsch zum Trainer sagen sollte. Leider haben sie mich auch manchmal auf den Arm genommen und ich habe dann die lustigsten und peinlichsten Sachen vor der ganzen Mannschaft zum Coach gesagt. 

In Paderborn sind Sie dann 2003 auch Trainer geworden. Wie kam es dazu?

Dotchev: Nach meiner Zeit in Kiel wechselte ich zum SC Paderborn. Dort war ich viele Jahre Führungsspieler. Ich habe dort gespielt, bis ich 37 war. Parallel habe ich meine Trainerlizenzen gemacht – die B-Lizenz in Bielefeld, die A-Lizenz in Hennef und 2000 in Köln die Fußballlehrer-Lizenz. Ich habe die Zeit während meiner Laufbahn als Fußballer genutzt, weil es mein Traum war, nach meiner aktiven Zeit als Spieler weiter im Fußball zu arbeiten. Dann wurde unser damaliger Trainer Uwe Erkenbrecher in Paderborn freigestellt. Der damalige Präsident Herr Finke, der im Januar letzten Jahres verstorben ist, wollte mich dann zum Spielertrainer machen, weil er mich als Spieler nicht verlieren wollte. Aber das wollte ich nicht. Er hat sich dann doch entschlossen, mir die Chance als Chefcoach zu geben. So kam es, dass ich dort zweieinhalb Jahre als Trainer arbeiten konnte. Ich konnte die Mannschaft stabilisieren und am Ende stand der Aufstieg in die 2. Liga.

Sie haben vor Ihrer Zeit bei Viktoria Köln für Paderborn, Erfurt, Sofia, Sandhausen, Münster, Aue und Rostock als Chefcoach gearbeitet. An welche Stationen denken Sie besonders gerne zurück? Und warum?

Dotchev: Ich habe bei allen Vereinen, bei denen ich gearbeitet habe, viel Freude gehabt. Ich war überall sehr glücklich und habe mich wohlgefühlt. Der einzige Verein, bei dem ich nicht so richtig angekommen bin, war Sandhausen. Deshalb habe ich wahrscheinlich auch nur ein paar Monate dort gearbeitet. Allerdings war das dann vielleicht auch meine Schuld. Ich habe nirgendwo einen Scherbenhaufen hinterlassen, war überall mit Herzblut dabei. Das ist – glaube ich – auch der Grund dafür, weshalb mich viele Menschen bei den früheren Vereinen noch mögen.

Seit dem Sommer letzten Jahres arbeiten Sie für Viktoria Köln. Was hat Sie – mit so viel Erfahrung im Gepäck – an dieser Aufgabe gereizt?

Dotchev: Die Gespräche mit Marcus Steegmann und Franz Wunderlich haben mich damals überzeugt. Als wir zusammengesessen haben, gab es auch noch zwei andere Optionen. Ich habe mich aber für Viktoria entschieden und die beiden anderen Angebote ausgeschlagen. Denn ich hatte das Gefühl, hier lässt sich etwas entwickeln und hier kann ich den zukünftigen Weg mitgestalten. Ich wusste, dass der Verein sehr viel Kraft investiert hatte, um aufzusteigen. Aber ich kenne die 3. Liga und mir war klar, dass es für uns im ersten Jahr sehr schwer wird. Auf der anderen Seite weiß ich, wenn wir den Klassenerhalt schaffen, hat die Viktoria das Potenzial, durchaus noch mehr zu erreichen. Darüber hinaus mag ich das Familiäre und Ehrliche hier im Verein.

Jetzt sind Sie Rekordtrainer der 3. Liga. Ist das ein besonderer Moment in Ihrer Trainerkarriere?

Dotchev: Ich bin schon stolz darauf. Es ist nicht selbstverständlich in diesem Beruf, so lange dabei zu bleiben. Das kostet auch Kraft, Ausdauer, Energie und schlaflose Nächte. Es gibt tausende Trainer, die im Moment auf Jobsuche und auf dem Markt sind – da sind natürlich auch sehr viele gute dabei. Daher schätze ich diesen Rekord, er bedeutet mir sehr viel. Denn ich weiß, es steckt sehr viel harte Arbeit dahinter. Ich gehöre in Deutschland zu den 60 Trainern, die unter Profibedingungen arbeiten und diesem Beruf ausüben dürfen.

Bei so viel Fußball, zahlreichen Erfolgen, aber auch vielen Umzügen in andere Städte: Wie lässt sich das mit dem Familienleben vereinbaren?

Dotchev: Das ist wirklich schwierig. Meine Stationen vor Köln waren zum Beispiel Rostock und Aue. Der feste Wohnsitz der Familie ist eigentlich in Paderborn. Das waren dann immer fast 500 Kilometer, um mal nach Hause zu kommen. Da hat man also oft nicht die Zeit, um zur Familie zu fahren. Als die Kinder noch klein waren – inzwischen sind sie mit der Ausbildung fertig und berufstätig – war ich bei den Geburtstagen oder in den Ferien fast nie da. Das war nicht einfach und ich hatte oft ein schlechtes Gewissen. Aber ich habe eine starke Frau, die mich unterstützt hat. Ich bin seit über 30 Jahren verheiratet und das liegt natürlich in erster Linie an meiner Frau Silvia. In diesem Beruf braucht man starke Personen, die zu einem stehen und dafür bin ich sehr dankbar.

Viktoria – das V steht für Vussball! #VollgasfuerdenKlassenerhalt

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